Es ist übrigens nicht die einzige „Spur”, die es von dem Schießen in dem schmucken an der Schwarzwaldbahn gelegenen Städtchen gibt. So führt der „Hornberger Schießen-Weg” von der Stadtmitte bis zum Schloss hinauf und erzählt an 14 Stationen nicht nur so manches über das damalige Ereignis, sondern auch über das Städtchen.. DAS HORNBERGER SCHIEßEN Einstens, als die Hornberger noch gut schwäbisch waren, sagte der Herzog einmal seinen Besuch an. Das gab eine nette Aufregung im Städtchen, und alles bereitete sich vor, den Landesvater würdig zu empfangen.
Die Redewendung „Das geht aus wie das Hornberger Schießen“ wird gebraucht, wenn eine Angelegenheit mit großem Getöse angekündigt wird, aber dann nichts dabei herauskommt und sie ohne Ergebnis endet. Bei dem in der Redewendung genannten Ort handelt es sich möglicherweise um die Stadt Hornberg im Ortenaukreis des heutigen Baden-Württemberg, wo es allerdings fünf weitere Städte dieses Namens gibt.
Entstehung
Die Historiker sind sich darüber einig, dass die folgenden Begebenheiten und Erklärungsversuche der Redewendung nicht beweisbar sind, denn es gibt keinerlei Quellen für sie. Statt einer klaren etymologischen Herleitung ranken sich – wie in anderen Fällen auch – beim Hornberger Schießen zahlreiche Legenden um die Redewendung, wobei die beiden nachstehenden in einschlägigen Werken als besonders verbreitet gelten. Sie entstanden so gut wie sicher als nachträglich erfundene Erklärungserzählungen nach dem Prinzip, welches die Erzählforschung Ätiologie nennt, und beziehen sich beide auf die eingangs genannte Stadt Hornberg im Ortenaukreis.
Herzogsbesuch
In Hornberg habe sich anno 1564 der Herzog Christoph von Württemberg angesagt. Dieser sollte mit Salutschüssen und allen Ehren empfangen werden. Als alles bereit war, näherte sich aus der Ferne eine große Staubwolke. Alle jubelten und die Kanonen donnerten, was das Zeug hielt. Doch die Staubwolke entpuppte sich nur als eine Postkutsche. Das Gleiche wiederholte sich, als ein Krämerkarren und noch etwas später eine Rinderherde auf die Stadt zukamen. Der Ausguck hatte jedes Mal falschen Alarm gegeben, und alles Pulver war verschossen, als der Herzog endlich kam. Einige Hornberger versuchten, durch Brüllen den Kanonendonner nachzuahmen. Manche Berichte taxieren den Herzogsbesuch auch auf das Ende des 17. Jahrhunderts.
Diese Version wird regelmäßig im Sommer auf der Freilichtbühne in Hornberg (Ortenaukreis) als volkstümliches Theaterstück aufgeführt.
Angriff auf Hornberg
Der zweiten Version der Erklärung nach soll sich das Sprichwort auf ein Ereignis aus dem Jahr 1519 beziehen, als die Stadt von den benachbarten Villingern angegriffen wurde. Die Hornberger sollen in kurzer Zeit ihre Munition verschossen haben, so dass die Angreifer nur das Ende der Kanonade abwarten mussten, um anschließend Hornberg erobern zu können. Diese Erklärung geht zurück auf den Pfarrer Konrad Kaltenbach, der sie in den Nummern 3, 4 und 5 der Heimatklänge aus alter und neuer Zeit, einer Beilage zur Freiburger Tagespost aus dem Jahr 1915, beschreibt und sich auf historische Quellen beruft (Villinger Chronik 1495–1533). Dort findet sich der recht glaubwürdige Augenzeugenbericht, dass von rund hundert Schuss des schweren Geschützes der Hornberger nur zwei gefährlich waren und die anderen über den Berg hinweg gingen:
Andere Versionen
Anfang des 18. Jahrhunderts soll es bei einem Freischießen in Hornberg derartige Unstimmigkeiten über den Ablauf gegeben haben, dass nach und nach alle Schützen das Fest verließen und das geplante Schießen schließlich entfiel.
Verwendung in der Literatur
Bereits Friedrich Schiller schreibt in seinem Werk Die Räuber (Erstausgabe 1781) im ersten Akt: „Da ging’s aus wie’s Schießen zu Hornberg und mussten abziehen mit langer Nase.“
Thomas Mann formuliert in seiner Erzählung Herr und Hund (1918): „Es kann aber auch sein, daß das Ganze, nach allen Veranstaltungen und Umständlichkeiten, ausgeht wie das Hornberger Schießen und still im Sande verläuft.“
Hannah Arendt verwendet die Redensart in ihrem Buch Macht und Gewalt (1970): „Dennoch braucht diese Situation nicht zur Revolution zu führen. Sie kann erstens mit Konterrevolution, der Errichtung von Diktaturen enden und sie kann zweitens ausgehen wie das Hornberger Schießen: es braucht überhaupt nichts zu geschehen.“
Literatur
- Rolf-Bernhard Essig: Hornberg. In: Ders.: Ich kenn doch meine Pappenheimer. Wunderbare Geschichten hinter sprichwörtlichen Orten. Duden, Berlin 2018, S. 36–38.
- Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten (= Herder-Spektrum 5400). Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 2003, ISBN 3-451-05400-0.
- Peter Tokofsky: „Das Hornberger Schiessen“: Proverbial Expression, Narrative, and Drama. In: Proverbium 10 (1993), S. 321–330 (online).
- Konrad Heck: Das Hornberger Schießen in den verschiedenen Lesarten. In: Die Ortenau 33 (1953), S. 200–205 (online).
Weblinks
Einzelnachweise
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