July 29, 2026

Geh aus mein Herz und suche Freud (arr. Kaiserin Rebecca) von Augustin

»Geh aus, mein Herz, und suche Freud« im LIEDERPROJEKT. Mit Noten als PDF. Eingespielt von: Christiane Oelze, Eric Schneider, Mitsingfassung: Christine Busch, Juliane Ruf, Mit einem SWR2 Podcast. Illustriert von Christoph Mett.Melodie: Augustin Harder (1775-1813), bearbeitet von Friedrich Heinrich Eickhoff (1807-1880) Text: Paul Gerhardt (1607-1676), 1653 – 1. Geh aus, mein Herz, und.. Frühlingslied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud” mit Noten, Liedtext & Hörbeispielen. Zum Singen & Musizieren – inkl. Video, MP3 & Noten zum kostenlosen Download!

Geh aus, mein Herz, und suche Freud ist ein geistliches Sommerlied von Paul Gerhardt (1607–1676).

Erstmals veröffentlicht wurde das Gedicht 1653 in der fünften Auflage von Johann Crügers Gesangbuch Praxis Pietatis Melica.

Inhalt

Der weit ausholende Liedtext, der in Paul Gerhardts originaler Fassung 15 Strophen umfasst, ist kunstvoll gegliedert: Die erste Strophe beginnt mit der Anrede an ein Gegenüber, hier als „mein Herz“ (zu jener Zeit die Anrede an einen geliebten Menschen) bezeichnet, und fordert dieses auf, hinauszugehen zur Betrachtung der sommerlichen Natur und zur Bewunderung ihrer Schönheit. Dass es sich um zwei verschiedene Rollen handelt, um einen Sprecher und ein Objekt der Ansprache, wird in 1,5 in den Worten deutlich: „siehe / wie sie mir und dir Sich ausgeschmücket haben“. Die Strophen 2–7 beschreiben Gottes Schöpfung in ihrer irdischen Schönheit, erst die Pflanzenwelt und die Tiere in der freien Wildbahn (Strophen 2 und 3–4), dann kommt der Mensch dazu, der von den Gaben der Natur lebt, von Schafen und Bienen, von Wein und Weizen (Strophen 5–7). In Strophe 8, also genau in der Mitte des Gedichts, spricht das lyrische Ich, hier wohl der Dichter im eigenen Namen, von sich selbst: Er „selbsten kan und mag nicht ruhn“, weil „des grossen Gottes grosses thun“ alle seine Sinne „erweckt“, ihn also über den Preis der Schöpfung zum ganzheitlichen („alle Sinne“) Lobpreis Gottes hinführt.

Der zweite Teil handelt nicht mehr vom Garten im wörtlichen Sinn, sondern – analog zur alten Lehre vom vierfachen Schriftsinn – erst von der überragenden Schönheit des himmlischen Gartens (Strophen 9–11: anagogischer Sinn), dann von der Aufgabe, die sich in diesem Leben stellt, nämlich Gott zu loben und „Glaubensfrüchte“ zu bringen (Strophen 12–14: moralischer Sinn). Dabei werden die Bilder aus der Natur zu Metaphern, wenn Gott gebeten wird zu helfen, „dass ich dir werd ein guter Baum“, oder „dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben“ (14). Die letzte Strophe bindet „hier und dort“, also die Strophen 9–14, ausdrücklich zusammen in der Selbstverpflichtung zu ewigem „Dienen“, das „dir und deiner Ehr / und sonsten keinem mehr“ gelten soll.

Viele Abdrucke des Textes beschränken sich auf die Auswahl der Strophen 1–3 und 8. In dieser Form verselbständigte sich das Lied zum Volkslied.

Text

Melodien

Der Liedtext wurde im Laufe seiner Rezeptionsgeschichte immer wieder mit verschiedenen Melodien verknüpft. Günter Balders hat vierzig Melodien nachgewiesen, von denen 15 direkt für diesen Text vorgesehen waren. Im von Johann Crüger 1653 herausgegebenen Erstdruck war der Text zunächst der Melodie des Liedes Den Herrn meine Seel erhebt zugeordnet.

Im Jahr 1667 veröffentlichte der Komponist Johann Georg Ebeling das Lied mit einer von ihm neu komponierten Weise in der Sammlung Pauli Gerhardi Geistliche Andachten. Diese stellt die erste eigens zu diesem Text komponierte Melodie dar. Sie erscheint als Diskant in einem vierstimmigen Chorsatz mit zwei instrumentalen Oberstimmen ad libitum. Ebelings Sammlung war sowohl für den liturgischen Gebrauch wie auch für die häusliche Andacht gedacht.

Die gegenwärtig bekannteste Melodie zu Gerhardts Text stammt von August Harder (1775–1813). Sie war ursprünglich eine Vertonung des Gedichts Die Luft ist blau, das Tal ist grün von Ludwig Hölty. Sie wurde dem Gerhardtschen Text erstmals 1836 von dem Organisten Friedrich Eickhoff (1807–1886) unterlegt. Diese Bearbeitung ist jedoch insofern problematisch, als die Form der Melodie eine Wiederholung der letzten Textzeile einer jeden Strophe verlangt, wodurch häufig Textzeilen von geringer Wichtigkeit ein zu starkes Gewicht zukommt. Der beschwingte, fröhliche Ton der Melodie passt dennoch sehr gut zum Charakter des Gerhardtschen Textes und trug sehr zur Beliebtheit des Liedes bei. Zusammen mit dieser Melodie ist der Text in EG 503 abgedruckt.

In den 1920er-Jahren wurde das Gedicht von dem Musikerzieher und Volksliedforscher Walther Hensel vertont. Diese Fassung findet sich unter anderem in der verbreiteten Liedersammlung Bruder Singer. Hensels in F-Dur gesetzte Melodie ist etwas getragener als die von Harder.

Abgeleitete Kompositionen

Im Jahr 1948 schuf der Dresdner Kreuzkantor Rudolf Mauersberger, auf diesem Lied aufbauend, die Geistliche Sommermusik Geh aus, mein Herz, und suche Freud (RMWV 11).

Über die Melodie August Harders komponierte Gottfried Fischer einen kleinen Zyklus von Variationen über einzelne Strophen mit dem Titel Ein musikalischer Scherz für Orgel über „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“.

Verbreitung in Gesangbüchern (Auswahl)

Geh aus, mein Herz war seit seiner Erstveröffentlichung in allen weiteren vierzig Auflagen des Praxis pietatis melica abgedruckt. Erstmals in einem Gesangbuch findet es sich 1704. In gekürzter, in der Regel auf die erste Hälfte reduzierter Form wurde es im 19. Jahrhundert zum Volkslied, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte es zunehmend in viele Gesangbücher der evangelischen Landes- und Freikirchen. In katholischen Gesangbüchern hat es so gut wie keine Berücksichtigung gefunden.

Im Folgenden erfolgt ein exemplarischer Überblick über die Aufnahme des Liedes in Gesangbücher aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Teilweise werden nur einige Strophen ausgewählt, ebenso verschiedene Melodien, in den jüngeren Gesangbüchern in der Regel die von Harder.

  • Evangelisch-Lutherisches Kirchengesangbuch² Nr. 740 – 1 Strophe – Melodie: Harder und Nr. 741 – 15 Strophen – Melodie: Hensel
  • Evangelisches Gesangbuch Nr. 503 – 15 Strophen – Melodie: Harder.
  • Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe Württemberg Nr. 676 – 4 Strophen (1, 13–15) – Melodie: Johannes Schmidlin.
  • Evangelisches Kirchengesangbuch Nr. 371 – 15 Strophen – Melodie: Heut singt die liebe Christenheit (EKG Nr. 116; EG Nr. 143), 16. Jahrhundert / geistlich Nürnberg um 1555.
    • Da aus dem EKG der Stammteil übernommen wurde, findet es sich auch in der ersten Auflage des Evangelisch-Lutherischen Kirchengesangbuchs.
  • Evangelisches Kirchengesangbuch, Ausgabe Württemberg Nr. 371 – 15 Strophen – 2. Melodie: Johannes Schmidlin.
  • Feiern & Loben Nr. 493 – 11 Strophen (von den o. g.: 1–4, 7–10, 13–15) – Melodie: Harder.
  • Gemeindelieder Nr. 494 – 8 Strophen (von den o. g.: 1–4, 7–9, 14) – Melodien: Harder; ab Str. 7: »16. Jahrhundert / geistlich Nürnberg um 1555«, d. i.: Sechs schöne Lieder.
  • Gesangbuch [mennonitisch] Nr. 507 – 12 Strophen (von den o. g.: 1–4, 6–9, 11–15) – Melodie: Harder.
  • Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche, Nr. 110 – 15 Strophen – Melodie: Harder; Nr. 111 – 1 Strophe mit Verweis auf Nr. 110 – Melodie: Johannes Schmidlin.
  • Gesangbuch der Evangelischen Brüdergemeine Nr. 848 – 15 Strophen – Melodie: Harder.
  • Gotteslob (Diözesanteil Hamburg, Hildesheim, Osnabrück) Nr. 865 – 10 Strophen – Melodie: Harder
  • Mennonitisches Gesangbuch Nr. 455 – 11 Strophen (von den o. g.: 1–4, 6–8, 13–15) – Melodie: Harder.

Übersetzungen

Die dänische Übersetzung „Gak ud, min sjæl, betragt med flid i denne skønne sommertid …“ von 1855 wurde in das dänische Kirchengesangbuch Den Danske Salme Bog, Kopenhagen 1993, Nr. 674 aufgenommen und schließlich in das Kirchengesangbuch, Den Danske Salmebog, Kopenhagen 2002, Nr. 726 übernommen. Die Originalübersetzung stammt von Chr. M. Kragballe aus dem Jahre 1855 und wurde 1953 neu bearbeitet. Es befindet sich ebenso im Gesangbuch der dänischen Heimvolkshochschulbewegung Højskolesangbogen, 18. Ausgabe, Kopenhagen 2006, Nr. 304, und dort auch auf Deutsch Nr. 305.

Die schwedische Übersetzung „I denna ljuva sommartid“ wurde 1725 von Joachim von Düben d. Ä. erstellt und 1855 von Christoffer Olofsson Angeldorff bearbeitet. 1980 wurde sie von Britt G. Hallqvist weiter bearbeitet und gekürzt (von 10 auf 8 Strophen). Das Lied wird in Schweden in der Regel auf eine 1916 von Nathan Söderblom komponierte Choralmelodie gesungen, wobei diese auch für weitere Gesangbuchlieder verwendet wird. Es ist ein in Schweden beliebtes Mittsommerlied und wird häufig zum Beginn der Sommerschulferien gesungen.

Literatur

  • Hans-Joachim Beeskow: „Geh aus mein Herz und suche Freud …“ – Zum historischen Kontext der Lieder von Paul Gerhardt. In: Berlinische Monatsschrift (Luisenstädtischer Bildungsverein). Heft 7, 1997, ISSN 0944-5560, S. 15–21 (luise-berlin.de). 
  • Juliane Keitel: 503 – Geh aus, mein Herz, und suche Freud. In: Gerhard Hahn, Jürgen Henkys (Hrsg.): Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch. Band 9. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-50332-6, S. 34–39. 
  • Christa Reich: Geh aus, mein Herz, und suche Freud. In: Hansjakob Becker u. a. (Hrsg.): Geistliches Wunderhorn. Große deutsche Kirchenlieder. 2., durchgesehene Auflage. C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-48094-2, S. 262–274.
  • Johann Anselm Steiger: „Geh’ aus, mein Herz, und suche Freud’“: Paul Gerhardts Sommerlied und die Gelehrsamkeit der Barockzeit (Naturkunde, Emblematik, Theologie). de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-019440-1.
  • Karl Christian Thust: Die Lieder des Evangelischen Gesangbuchs. Band 2: Biblische Gesänge und Glaube – Liebe – Hoffnung (EG 270–535). Kommentar zu Entstehung, Text und Musik. Bärenreiter, Kassel u. a. 2015, ISBN 978-3-7618-2268-5, S. 462–469.

Weblinks

  • Michael Fischer: Geh aus mein Herz und suche Freud (2007). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon
  • Geh aus, mein Herz, und suche Freud. In: Liederprojekt von Carus-Verlag und SWR2.
  • Geh aus, mein Herz, und suche Freud. Text mit englischen Übersetzungen und Melodie (MIDI); ingeb.org
  • Liedbuchnachweis und Audio. In: Christliche Liederdatenbank; evangeliums.net

Einzelnachweise


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Geh aus, mein Herz, und suche Freud, Max Bruch


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Geh aus, mein Herz, und suche Freud von Manfred Schlenker im Stretta


Gerhardt, Paul „Geh aus, mein Herz,

Gerhardt, Paul „Geh aus, mein Herz, und suche Freud” (Chorsatz


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Das Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud” beschreibt die Schönheit der Natur im Sommer als Ausdruck von Gottes Gaben und Güte. Der Dichter betrachtet Bäume, Blumen, Vögel und Tiere, die in voller Lebendigkeit und Freude die Schöpfung preisen.. Liedtext & Noten Das Lied Geh aus, mein Herz, und suche Freud ist in folgenden Liederbüchern mit Text zu finden: